Praxis Prof. Hempen & Kollegen

TCM-Magazin

Lebensmittel getreide

Weizen und Funktionskreis Herz

In der TCM gelten für die Klassifikation von Lebensmitteln andere Kriterien als in der westlichen Ernährungswissenschaft. Sie werden hier nicht nach ihren Inhaltsstoffen (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe) beurteilt, sondern nach ihrem Temperaturverhalten, der Geschmacksrichtung, der energetischen Wirktendenz und dem Organkreisbezug.

Der Weizen hat in seiner Grundform des ganzen Korns eine kalte Wirkung. Wird er weiter verarbeitet, geschält, entkeimt und gemahlen, steigt sein Temperaturverhalten bei jeder Stufe Energie, die ihm zugefügt wird. So kann er je nach Diagnose in einer anderen Verarbeitungsstufe empfohlen werden.

In der chinesischen Diätetik hat er einen Bezug zum Herz-Funktionskreis, dem Fürsten unter den Funktionskreisen. Siehe hierzu auch die näheren Erläuterungen im Sommerteil des TCM-Magazins.
Erkrankungen wie Unruhezustände, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Angstgefühle, Schwitzen nachts in den Wechseljahren fallen in sein Wirkspektrum. Hier kann nun ganz gezielt mit der Darreichungsform des ganzen Korns, also Vollkorn, gearbeitet werden.
Hochwirksam ist auch gekeimter Weizen (Fructus Tritici germinatus), der dann oft in den von Ärzten verordneten Dekokten enthalten ist.

In der westlichen Ernährungswissenschaft wird Weizen oft als „schlechtes“ Kohlenhydrat angesehen. Dabei meint man aber eher Weizenmehl, das sicher durch seine hohe Verarbeitung nur noch wenig Nährstoffe enthält und zu sehr hochverarbeiteten Industrieprodukten weiterbearbeitet wird.
Aus meiner Sicht ist auch hier wieder die Qualität entscheidend. Weizenmehl aus guter Bio-Quelle ist ein hochwertiges Lebensmittel, ebenso die daraus hergestellten Produkte. Im Vollkornmehl sind alle Inhaltsstoffe noch enthalten. Bei Verdauungsbeschwerden sind Vollkornprodukte jedoch oft zu belastend. Hier kann bedenkenlos auf Nicht-Vollkorn ausgewichen werden. Jedoch ist auch hier wie immer das Maß entscheidend, d. h. es sollten nicht täglich Weizennudeln auf dem Speiseplan stehen.
Die mittlerweile an jeder Ecke vorhandenen Billigbäckereien mit aufgebackenen Backwaren und Süßstückchen von zweifelhafter Qualität sind aber aus keiner Sicht zu empfehlen.

Zum Schluss noch ein Tee, der in der TCM gezielt bei verminderter Lebensfreude, nächtlichem Schwitzen, Schlafstörungen und innerer Unruhe eingesetzt wird.


Dekokt mit Weizen, chinesischen Datteln und Longanen

Für 2 – 4 Portionen:
50 g geschroteter Weizen
10 Stück Jujubenfrüchte (chin. Datteln) (Tageshöchstdosis)
15 g Longanen (Tageshöchstdosis)
in 1 l Wasser aufkochen und ca. 20 min. leicht köcheln lassen, öfter umrühren, dann abseihen
Auch als Brei möglich, dabei nur ¼ l Wasser verwenden
Jujuben und Longanen erhalten Sie in ausgewählten Apotheken und Chinaläden

 

 

Petra Braun, Ernährungsberatung, Diätetik

Praxis Prof. Hempen & Kollegen, München,
Fachärztliches Zentrum – Chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur


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